Die eigene Mitte finden..

..das Thema begleitet mich schon geraume Zeit. Wer bin ich und was will ich eigentlich? Ist der Weg, den ich gehe, wirklich meiner? Oder nur der übliche, von Konventionen und Erziehung, somit aus Erwartungen anderer an mich, geprägt? Ein ordentliche Ausbildung, ein noch ordentlicherer Job, der möglichst gut bezahlt wird und das Leben kann kommen...
Leider funktioniert das nicht immer so reibungslos, wie ich erfahren habe... Nachdem ich der Meinung war, auf der "sicheren" Seite zu stehen, habe ich durch einen plötzlichen Zusammenbruch gemerkt, das da zumindest für mich etwas nicht stimmt...

Von außen betrachtet war alles in Ordnung, eine einigermaßen gesicherte Existenz, eine eigene Immobilie, einen Partner und Freunde und Bekannte.. Was will man da mehr? Und dann plötzlich der Wunsch, sich zurückzuziehen, sich in Gegenwart der anderen nicht mehr wohl zu fühlen, den Eindruck zu haben, das Leben wird von einer unbekannten Instanz gelenkt und ich selber habe auf den Verlauf keinen Einfluß, wie sehr ich mich auch anstrenge.
Nichts machte mehr Freude oder Spaß, selbst das Essen nicht:-) Als doch sehr staatliche Person konnte ich mich noch nicht mal über den damit einhergehenden deutlichen Gewichtsverlust freuen. Das ließ schon tief blicken.
Hinzu kam das Gefühl einer tiefen Traurigkeit, die sich nicht fassen ließ, aber stetig vorhanden war. Nicht zu vergleichen mit der Trauer um einen Verlust, sondern allgegenwärtig und durch nichts zu durchbrechen. Das Leben war plötzlich eine Last.
An einem sehr kritischen Punkt, ausgelöst durch eine Banalität, habe ich dann noch frühzeitig realisiert, das ich professionelle Hilfe brauche. Und diese auch bekommen. Es hat sich herausgestellt, das für mich eine Gesprächstherapie geeignet wäre und ich kann aus heutiger Sicht nur sagen, das das richtig war. Ohne Punkt und Komma habe ich herausgesprudelt, was in mir vorgeht und es tat gut, das einfach mal ganz ohne Bewertung einer neutralen, außenstehenden Person mitzuteilen. Durch geschickte Fragestellung hat der Psychotherapeut in mir Denkprozesse angeregt, die mir Aufschluß über mein bisherigen Leben gaben und mir deutlich gemacht haben, wie oft ich gegen meine Überzeugung und nur um des lieben Friedenswillen gehandelt hatte. 
Ich hatte schlichtweg meine eigenen Bedürfnisse anderen untergeordnet, in der Hoffnung gemocht und anerkannt zu werden. Ich wollte kein Spielverderber sein und mich vor den Karren vieler vermeintlicher Freunde spannen lassen, überzeugt davon, das man vieles eben nicht zu eng sehen sollte.
Zu einem hohen Preis...
Dabei ist mir dann aufgefallen, das ich immer auf der Suche nach Anerkennung war, weil mir diese immer gefehlt hat. Meine Erziehung umfaßte leider überwiegend Kritik und Ermahnungen, natürlich in bester Absicht, aber leider für ein Sensibelchen wie mich nicht so geeignet.
Ich wusste nicht, wer ich war und das ich einen eigenen Wert besaß. Anfang 20 besaß ich die Modelmaße einer Heidi Klum und war auch sonst nett anzuschauen.
Das weiss ich heute und Bilder (die jahrelang nicht angesehen hatte) belegen das auch. Aber leider war ich damals zu sehr mit meinem Selbstzweifeln und dem nicht vorhandenen Selbstbewußtsein beschäftigt, als das mir das aufgefallen wäre. Komplimente nahm ich als Versuch, mich nicht noch weiter zu entmutigen, den entmutigt war ich.
Ich nahm sie aber nie ernst, sondern hatte den Eindruck, sie waren ein Ausdruck von Mitleid, weil ich doch so unzureichend war. Ich ging ungerne aus und Schwimmen war gar nicht drin, denn mir war mein Gewicht von 57 Kilo auf 1,74 m verteilt peinlich...
Kurz um, ich fühlte mich so dick, wie ich heute eigentlich bin (die Größe ist geblieben, das Gewicht hat sich leider in den dreistelligen Bereich verschoben).
Neben Diäten, um mein Gewicht weiter zu reduzieren (das ging leider voll daneben, wie man heute sieht), versuchte ich dann noch über besonderen Fleiß und besonders nettes, zuvorkommendes Verhalten zumindest von meinen äußerlchen Makeln abzulenken.
Nachdem ich meinte, besonders unansehnlich zu sein, versuchte ich eben, durch "besonderes" Anderssein auf mich aufmerksam zu machen. Wo andere aufmuckten, ließ ich mir noch etwas mehr aufbürden, wo andere deutliche eine Grenze zogen, war ich noch großmütig (oder dämlich, wie ich heute weiß.
Vielen Leuten gab ich somit unbewußt eine Einladung, ihren "Müll" bei mir abzuladen und mit mir zu verfahren, wie es ihnen beliebte. Egal, ich fühlte mich wohl dabei, denn ich bekam (zweifelhafte) Anerkennung und wurde wahrgenommen. Die übliche Kritik blieb endlich aus (oder fand hinter meinem Rücken statt). Man liebte mich so, wie ich war (glaubte ich).
Allerdings trug das auch allerlei seltsame Früchte, die mich dann doch überlegen ließen, was wohl falsch in meinem Leben läuft. Aber was wäre die Konsequenz gewesen? Weniger Anerkennung, weniger Zuneigung und somit das, was ich dringend brauchte.. Wem nützte denn meine Zufriedenheit, wenn sie niemand mit mir teilte oder meine eigenen, mir wichtigen Werte von anderen nicht erkannt oder mißverstanden wurden?
Was, wenn ich abgelehnt wurde, weil ich nun mehr an mich und meine Bedürfnisse dachten und diese dann auch verfolge? Ich fühlte mich dem nicht gewachsen..
Also weiter so....

-----------------Fortsetzung folgt------------------------


 

19.10.08 22:45

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