Die eigene Mitte finden, Teil 2

Immer nett sein, auch wenn man zu mir nicht nett ist… Nicht aus der Rolle fallen, aus der Haut fahren, keine Launenhaftigkeit zeigen, auch wenn es mir mal nicht so gut geht..
Nie zeigen, das auch mir mal etwas nicht gefällt oder ich mit etwas nicht so einverstanden bin.

Hinzu kam, das ich immer leicht zu verunsichern war, was mein Urteil einer Situation oder generell alles betraf.
Teilte jemand nicht meine Meinung, so lag das doch wahrscheinlich daran, das ich nicht richtig informiert war oder ein wesentliches Detail nicht berücksichtigt hatte.
Ich traute mich immer weniger, eine eigene Meinung zu haben, zumal diese oft von der herkömmlichen Meinung abwich..
Ich hatte einfach nicht genug Selbstbewußtesein, um gegen den Strom zum schwimmen, auch wenn meine Überzeugung eine andere war.
Wenn jemand anders ist als andere, dann hat das in der Regel einen Grund.. Das galt ja auch für mich.  Solange ich aber durch das Anderssein einer Person keinen Schaden habe oder in meiner Lebensführung eingeschränkt werde (und es nicht ungesetzlich ist), sollte jeder so leben dürfen, wie er es für richtig hält.
Ich war oft etwas verzweifelt, weil ich mitbekommen habe, wie über andere Personen gesprochen wurde, weil sie eben anders sind, sich nicht überall der landläufigen Meinung anschließen, sich so kleiden, wie sie es für richtig halten oder einfach ein Hobby ausführen, welches ungewöhnlich ist. Es wurde belächelt oder bewußt negativ dargestellt. Auch wenn ich heute weiß, warum so etwas geschieht, hat es mich damals noch mehr verunsichert.
Ich hatte doch auch gelernt, immer schön unauffällig zu bleiben und sich eher anzupassen als den eigenen Bedürfnissen nachzugehen… Ansonsten galt man schnell als Sonderling oder Außenseiter.
In der Schule hatte ich das schon erlebt..Leider teilte ich mit meinen Schulkollegen nicht so viele Interessen, schloss mich gerne mal an, fand aber manche Sachen einfach zu blöd, um mitzumachen.
Letzten Endes wollte ich doch die Schule so schnell wie möglich hinter mich bringen, mit einem ordentlichen Zeugnis, damit ich endlich eigenes Geld verdienen konnte. Und das war für mich das wichtigste.
Bei uns zuhause war Geld knapp, meine Eltern waren geschieden, meine Mutter halbtags berufstätig, mein Vater zahlte keinen Unterhalt. Vor der Scheidung meiner Eltern war mal Geld da und dann wieder nicht, je nach Auftragslage bei meinem selbständigen Vater. Als Kinder bekamen wir hauptsächlich mit, wenn Geld da war. Von den anderen Zeiten hat meine Mutter später mal erzählt und das war schon ein kleiner Schock.
Nach der Scheidung der Eltern war das Geld dauernd knapp, denn soviel Geld verdiente meine Mutter nicht und auf das Sozialamt gehen wollte sie nicht. Wir Kinder merkten den Unterschied und konnte eben nicht so ganz verstehen, warum jetzt weniger Geld zur Verfügung stand. Da hatte es meine Mutter nicht einfach mit uns.. Manches Verhalten ist mir heute noch peinlich, damals wußte ich es nicht besser und habe meinem Unmut freien Lauf gelassen. Generell muss ich meiner Mutter Abbitte leisten, denn in den 70er Jahren den Schritt der Scheidung zu gehen war alles andere als populär. Da wurde man schon mißtrauisch beäugt und auf die "Scheidungswaisen" ein besonderes Augenmerkt gelegt, ob sie sich irgendwie auffällig, im Sinne von schlecht erzogen, verhalten.
Aber da boten wir wenigstens keine Angriffsflächen, denn auf eine gute Erziehung hatten meine Eltern immer großen Wert gelegt.
Dennoch konnte ich bei Schulkollegen schon mal etwas unschöne Bemerkungen der Eltern über geschiedene Frauen (über Männer wurde da komischerweise nie etwas gesagt) aufschnappen, die mich immer sehr geärgert haben.
Aber Erwachsenen widerspricht man ja nicht.
Heute denke ich, das war die Reaktion darauf, das da jemand einen Schritt gewagt hatte, der in mancher Ehe auch fällig gewesen wäre, aber man "machte" das eben nicht.

Ich bin meiner Mutter jedenfalls sehr dankbar, das sie ihn trotzdem gewagt hat und sie diese schwierigen Zeiten so gut gemeistert hat. Ihre Bedürfnisse sind da bestimmt auf der Strecke geblieben und ich weiß, das diese Zeit sie sehr geprägt hat.
Uns als Kinder allerdings auch, denn aus dieser Zeit rührt natürlich auch das "Unauffällig sein und bleiben" und möglichst das tun, was einem gesagt wird.
Bei meiner Mutter stelle ich heute noch eine Tendenz fest, Meinungsbilder von bestimmten Personen, die gesellschaftlich angesehen sind, ungefiltert zu übernehmen.

Meiner Erfahrung nach paßt das nicht immer und man muss sich dann einfach mal eingestehen, das auch andere mal irren. Oder einfach andere Erfahrungen gemacht haben.

Das weiss ich heute…

Früher jedenfalls hat mich das auch sehr geprägt und ich habe mich vor jedweden Karren spannen lassen, mit dem bekannten Resultat.
Da ließen dann auch eine Beziehung, die eigentlich keine "Gemeinschaftsproduktion" war, nicht lange auf sich warten. War da doch immer jemand, der mir Aufmerksamkeit schenkte und zu würdigen wusste, was ich alles tat. Da tat ich doch gerne alles, um diese Beziehung nicht zu gefährden. Zumal ich doch auch noch mit einem Helfersyndrom ausgestattet war, dem konnte ich in dieser Beziehung freien Lauf lassen. Ja, da kann man richtig zur Hochform auflaufen und sich auch noch gut dabei fühlen.... Mutter Teresa wäre sehr stolz auf mich gewesen… Aber auch meine Leidensfähigkeit hatte dann mal ein Ende, sehr zum Bedauern meines Freundes, der sich sehr schwertat, aus meinem Leben zu verschwinden. Danach gings dann erstmal bergauf, denn nun wusste ich doch sehr genau, was ich wollte und was nicht.. Die nächsten Beziehungen haben davon profitiert…

Aber so ganz rund war die Sache doch noch nicht…

-------------------Fortsetzung folgt----------------------------------

20.10.08 13:31

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